Canon 5D Mark II Workflow
Aus einer Notwendigkeit heraus habe ich mich die letzten Wochen intensiver mit dem Drehen und Bearbeiten von High Definition-Material einer Canon 5D Mark II beschäftigt. Interessanter Weise scheinen sich viele Filmschaffende auf diese Kamera einzuschwören, wenn sie auch gegenüber der Genesis von Panavision oder der Red noch immer das Problem mit in die Postproduktion einbringt, dass sie nativ nur 1080/30p schießen kann. Durch die Fülle an Produktionshäusern, die bereits ihre Erfahrungen mit dieser Kamera gemacht haben gibt es im Web auch zahlreiche Berichte über Workflows.
Ich möchte diese Berichte weder zusammenfassen, noch sie mit meinen Erfahrungen ergänzen. Aber ich möchte im Folgenden dokumentieren, auf welche Weise ich mit dem 5D-Material arbeite.
Zunächst einmal: Wir füttern die Canon mit ScanDisk Extreme IV-Karten. Der Datendurchsatz und die hohe Schreibrate von 45 MB/s bietet derzeit die beste Lösung für hochperformante Speicherung auf Compact-Flash. Auf dem freien Markt ist sie für etwas mehr als 160 Euro das Stück zu erhalten und ist derzeit mit 16 GB Speicherplatz zu haben. Prima. Sechs Stück sollten genügen.
Zweiter Hinweis: Mir war von Anfang an bewusst, dass es keinen optimalen Workflow geben wird. Ich erinnerte mich da an ein Zitat von Philip Bloom:
“If you want a perfect solution: shoot native!”
Glücklicher Weise war dem Regisseur die leichte Zeitlupe, die eine Veränderung der Timebase zur Folge hatte recht, sodass ich mich nur mit den Interviews intensiver zu beschäftigen hatte.
Zurück vom Dreh stehe ich also vor einem Berg von Quicktimes die mit h.264 komprimiert wurden und die sich in der Zwischenzeit auf einem RAID-1 häuslich eingerichtet hatten. Super schöne Tiefenschärfe, alles mit vorhandenem Licht gedreht und… 30 Bilder progressive.
Bevor überhaupt etwas weiter passierte wanderten die Daten zunächst vom Festplattenspiegel, der noch vor der Rückreise vor Ort beschrieben wurde auf ein Speichersystem der Firma Dulche welches als RAID-6 konfiguriert ist. Dann ging es an’s Normwandeln. Glücklicher Weise unterscheidet sich NTSC-HD und PAL-HD nur noch in der Framerate und nicht mehr, wie in Standart Definition, auch in der Zeilenzahl.
Mein erster Schritt sollte es also sein, die Timebase der Clips von 30 Bildern auf 25 zu reduzieren. Hier bieten sich viele, gängige Möglichkeiten an, sei es nun MPEG Streamclip, JES Deinterlacer oder Apple Compressor – wichtig war mir nur die Möglichkeit über eine Batch arbeiten zu können, da wir in der Firma keine (akzeptable) Möglichkeit haben, mit NTSC zu schneiden und ich deswegen das Material komplett normwandeln musste. Raus ging’s im Avid-eigenen DNxHD 185 um eine zweite Codecwandlung beim Import zu vermeiden.
Der Ton gehört jedoch zum guten Ton. Selbstverständlich passte anschließend der extern aufgenommene Ton der Interviews nicht sonderlich gut zu der leichten Zeitlupe des Bildes. Nach etwas Dreisatz rechnen war klar: 120% Bildgeschwindigkeit führt das Bild wieder zurück zum Ton. Da ich ohnehin den Ton am AVID anzulegen hatte beschloss ich, anschließend die Bildclips mittels Fluid Motion bereits vor Schnittbeginn zu rendern und als Subclips dem Editor zur Verfügung zu stellen.
FluidMotion rendert einen Timewarp von 120% sehr zuverlässig. Zuverlässig schön und zuverlässig lang. Hier zeigte sich schnell der Flaschenhals des Workflows, denn ein fünfminütiges Interview brauchte gerne mal eine ganze Nacht zum Rendern. Doch schließlich konnte geschnitten werden.
Soweit so gut. Der Workflow funktioniert und ist im Grunde durchaus angemessen zu bewältigen. Einen Spielfilm möchte ich mit dieser Methode aber (noch) nicht bearbeiten müssen. Doch Gerüchten zufolge kommen wir doch bald in den Genuss, Philip Blooms Ratschlag zu folgen: Ein Firmware-Update soll es der 5D bald ermöglichen, nativ in 1080/25p zu schießen.
Ein großes Problem bei dem Workflow mit der 5D Mark II ist der Rolling-Shutter-Effekt. Da der Sensor zeilenweise ausgelesen wird kommt es zu leichten bis mittleren Verschiebungen bei bewegter Camra oder bewegtem Objekt.
Das mag im Schnitt nicht sonderlich dramatisch sein, aber im VFX-Bereich fürt das zu ernsthaften Problemen.
Zwar bietet “The Foundry” bereits ein OFX-Plugin zur Korrektur dieses Effektes an (der acuh sehr gute, aber zeitintensive Arbeit leistet) aber dennoch kann das Matchmoving, also das Tracken der Camera/Objektbewegung im dreidimensionalen Raum, so gut wie vergessen werden.
Kommentar von Tobias am 21. 09. 2009 um 23:18
[...] der neuen Firmware zeichnet die Kamera nun auch 1080p25 Filme mit ihrem Vollformat-CMOS auf. Das lästig lange Normwandeln entfällt damit, der Workflow erfährt dadurch einen eminenten [...]
Kommentar von Apprentice Workflow » Blog Archive » EOS 5D sagt “Guten Tag PAL” am 21. 09. 2009 um 18:02